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If you don’t like our weather, just wait five minutes.

Wer hätte gedacht, dass Texas, was das Wetter anbetrifft, tatsächlich so wankelmütig ist. So etwas wie die Wettervorhersage brauchen wir uns eigentlich gar nicht anschauen. Und auch der Blick aufs Thermometer am Morgen sollte nicht darüber entscheiden, ob die Jacke zuhause bleibt; denn während es sich um 6 Uhr morgens noch mit 14 Grad Celsius recht angenehm präsentiert, könnten es am Tag schon wieder minus fünf Grad sein – mit erheblich mehr Wind.

Ein texanisches Phänomen ist das der “Winteröffnungszeiten”. Nachdem es sich gestern nicht so recht entscheiden konnte, ob es Frühling sein will (mit schönem Sonnenschein) oder eher Eisregen ausschütten, hat sich das Wetter heute für einen steten Schneefall entschieden. So oder so: Alles bleibt geschlossen – oder wird geschlossen.

Jan kommt gleich, kurz vor 12 Uhr mittags, von der Arbeit nach Hause, das Büro unserer Wohnungsgesellschaft schließt um 13 Uhr, die Kinder hatten Anfang der Woche zwei schulfreie Tage und die Konferenz des Gemeindenetzwerks vor Ort, die heute und morgen stattfinden sollte, wurde kurzerhand gestrichen – denn es schneit.

Dabei muss man natürlich sagen: Hier hat keiner Winterreifen und die Räumdienste sind auch nicht auf Schnee eingestellt. Sollte es also bis heute Nachmittag durchgängig schneien, ist es sicherer, jetzt die Heimfahrt anzutreten und nicht später.

In den letzten Tagen – bei Eisregen, Graupelschauern und Minusgraden – waren Polizei und Feuerwehr im Dauereinsatz. Die Einsatzkräfte sind also die ‘einzigen’, die das Winterwetter nicht von der Arbeit abhält.

Apropos Jan käme gleich von der Arbeit – vor einer Viertelstunde ist er losgefahren und müsste gleich da sein. Leider sind die Straßen jetzt so überfüllt, dass er noch immer 50 Meter vom Büro entfernt in einer Autoschlange steht. Es sind noch 20 Meter bis zur Ampel – also ungefähr 3 Grünphasen noch, lautet Jans optimistische Einschätzung. Mal sehen, ob er zum Feierabend dann hier ist.

Ich im übrigen freue mich über den spontanen Wintereinbruch, weil wir erst gestern so richtig bewusst wurde, dass ich Montag Titel, Fragestellung und Gliederung meiner Hausarbeit abgeben muss und ich noch immer dabei war, ein Thema zu suchen. Die Zeit rast! Ende März steht dann meine Prüfung an, für die ich extra ins Generalkonsulat fahren muss. Da ich das letzte Wochenende aber schon mit Freunden in der Stadt verbracht habe, wird es nicht eine ganz so stressige Fahrt ‘ins Unbekannte’. Mal sehen, ob ich mich dann auch daran erinnern kann, mit den Beamten Deutsch zu sprechen und meine Klausur auf Deutsch zu schreiben.

Ende März sollte das Wetter an der Küste dann auch schon bald unerträglich warm sein; meine Klausur wird also hoffentlich nicht ausfallen, weil die Botschaft ‘winterbedingt geschlossen’ ist.