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Jan ist seit knapp einem Monat in Amerika und es bleiben nur noch zwei Wochen, bis auch ich in Texas ankomme. Seit der ‘Halbzeit’ vor einer Woche läuft die Zeit rasend schnell; nicht zuletzt auch deswegen, weil wir von Pais:Deutschland unser Startseminar haben, bei dem jeder Tag um 8 Uhr beginnt und selten vor 22 Uhr endet. (Wer mehr aus dem Seminaralltag mitbekommen möchte, kann meine Facebook-Updates verfolgen; ich versuche, möglichst jeden Tag einen inspirierenden oder lehrreichen Gedanken, ein Erlebnis o.ä. zu teilen.)

Die letzten Arztbesuche und Banktermine etc. stehen noch an. Und natürlich auch Abschiede. So langsam wird mir bewusst, dass es nicht nur Jan war, der geht. Das konnte ich ja immer gut vorschieben; “ich bin ja noch ein bisschen da”, “wir sehen uns ja noch”. Aber so schnell wie das Wetter hier herbstlich geworden ist, so schnell sind auch diese 6 Wochen vorbei; einige werde ich vor meinem Abflug also nicht mehr sehen. — Grund genug, um noch einmal alle zu einem kleinen Abschiedsfest zusammenzutrommeln. Die Planungen müssen noch dazwischen passen; für die konkreten Vorbereitungen bleibt zum Glück die Woche nach Seminar-Ende.

Ich merke, wie viel Kraft mich diese Zeit kostet – viel Arbeit, viele andere Aufgaben / Vorbereitungen und all das ohne Jan. Da ich ihn wegen der Zeitverschiebung nicht einfach mal eben anrufen kann, wie ich das sonst getan habe, wenn wir längere Zeit (räumlich) getrennt waren, ist das noch mal eine ganz andere Sache. Ich freue mich darauf, ihn im Alltag wieder an meiner Seite zu haben. Er ist ein Teil meiner ‘Stärke’ – mein Team-Partner – neben Gott der wichtigste Strang in meinem Lebensseil. Ich glaube, dass Gott das mit Grund so gemacht hat: Dass wir als Team stärker sind – und dass ich mich neben Gott auch auf Jan verlassen darf; auch er gibt mir Kraft und macht mich stark. Erst wenn Jan stirbt, würde ich mich wieder auf ein Leben einlassen, in dem ich nur aus Gott meine Stärke ziehe. Gleichzeitig ist so eine Zeit der (räumlichen) Trennung auch gut, um zu prüfen, wie stark mein ‘Strang’ in diesem Seil ist; denn es soll ja auch nicht alle Last auf Jan liegen.

Insgesamt hat diese Zeit des ‘Strohwitwen’-Daseins, wie es jemand nannte, einen bitteren Beigeschmack: Ich komme nicht umhin, daran zu denken, wie es so ganz ohne Jan wäre – alleine auf Geburtstage und Hochzeiten gehen, alleine im Gottesdienst, alleine aufstehen und alleine zu Bett gehen usw. Trotz der ganzen lieben Menschen, die ich zwischendurch sehe, macht sich da ein Gefühl der Einsamkeit breit. Es fühlt sich an wie eine Trauerzeit. Ich verstehe, warum Gott die Frau ‘Retterin’ nennt… der Mensch ist nicht für die Einsamkeit, sondern für die Gemeinschaft geschaffen. Erst mit der Gemeinschaft ist das Schöpfungswerk vollendet; erst dann ist alles ‘sehr gut’. Denn Gott hat uns Menschen in seinem Bilde (eigentlich ‘ihrem’, weil da ein Plural steht) geschaffen, als Mann und Frau. Nur zusammen können wir ihn widerspiegeln und erleben, wozu er uns geschaffen hat.