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Jan ist gut angekommen und wir haben heute ein erstes Mal geskypet. Per Facebook-Album hat Gastmama Scarlet mir schon einmal Haus und Garten vorgestellt, die Jan jetzt noch mal für mich kommentiert hat. Eine vage Vorstellung von meinem neuen Zuhause habe ich also schon.

Wir leben uns beide gerade in unseren ‘neuen Alltag’ ein und finden uns mit der Situation zurecht. — Gestern war ich auf einer Hochzeit hier im Dorf. Eine sehr schöne, rustikale, harmonische (in sich stimmige) und ausgelassene Feier. Ich hatte ein paar gute Gespräche, habe viel getanzt und leckeres Essen gab es auch – die richtigen Zutaten für eine gute Feier. Dennoch hat sich die ein oder andere Träne bei mir eingeschlichen, als das Lied gespielt wurde, bei dem ich Jan immer auf die Tanzfläche ziehe. Und natürlich haben auch viele nach Jan gefragt, ob er gut angekommen ist usw. Manchmal hab ich also beim Tanzen die Augen zugemacht und mir vorgestellt, er wäre da – oder eher: ich schon dort. Gleichzeitig versuche ich, die Momente noch einmal bewusst wahrzunehmen, mich zu freuen und schon langsam auf den Abschied einzustellen, um mit möglichst vielen positiven Eindrücken gehen zu können.

Es wartet heute noch ein Haufen Arbeit auf mich; gestern habe ich über die Arbeit schon die Zeit vergessen und erst 20 Minuten vor der Trauung auf die Uhr geschaut. Dazu habe ich mich noch um meinen Master-Studienplatz kümmern müssen; ich habe vorläufig eine Absage bekommen, hoffe aber, dass ich mit der richtigen Bescheinigung von meiner alten Uni noch eine Chance habe. Wer mag, kann da gerne für Gunst beten. Und auch für Weisheit. Für einen Abend war ich ein wenig aus dem Tritt gebracht und hab meine Schritte hinterfragt: Warum mache ich diesen Master überhaupt? Ist es das richtige Studium? Ist diese Investition sinnvoll? Ist es der richtige Zeitpunkt? usw.

Diese vorübergehende Unsicherheit hängt auch damit zusammen, dass Paul Gibbs (1) mit einer seiner Keynote-Sessions (2) mein großes Bild, meine ‘Lebensvision’, in der letzten Woche (3) herausgefordert hat: Wir sollten nicht das am nähesten liegende, uns Bekannte zu ergreifen, sobald uns Gott eine Ahnung von unserer Vision gibt, um nicht ein zu starres Bild davon zu malen, wie das, was Gott mit uns vor hat, aussehen wird. — Das kommt mir ein wenig bekannt vor; aber wie gut, dass Gott unsere Schritte lenkt, während wir noch über den Weg philosophieren.

 

Jan wird hoffentlich selbst bald Zeit finden, sich zu Wort zu melden. Wir haben für morgen einen Skypetermin abgemacht: denn Mrs. Sunshine und Mr. Moon müssen ihre Dates gut planen.


 

Anmerkungen

(1) Paul Gibbs ist der Gründer und Leiter der Organisation Pais Movement, für die Jan und ich arbeiten.

(2) herausfordernde Predigtreihe mit verschiedenen Teilen zu einem (geistlichen Leit-)Thema, die jeweils den Morgen unserer Seminarwoche von Pais füllt

(3) Start- und Abschlussseminar des Internationalen Jugendfreiwilligendienstes im Rahmen von Pais sowie Abschlussseminar des Freiwilligen Sozialen Jahres im Rahmen von Pais