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Am Donnerstag hat sich eine Gewitterfront über Nordtexas geschoben und mit hohen Windgeschwindigkeiten so einigen Schaden angerichtet. Während sich die Bäume bis zum Bersten bogen und die dicken Äste sich über den heruntergerissenen Stromleitungen im Garten stapelten, musste ich an die Jünger im Boot denken und an Jesus, der seelenruhig schlief – im Sturm.

Nur den Sturm wirst du zu stillen, in dem du schlafen kannst.

Das hat mir Mut gemacht, ein überzeugtes Gebet zu sprechen: Keinen Schaden an diesem Haus! Und tatsächlich wurde nur die Befestigung der Stromkabel umgeknickt. – Dramatisch war das alles dennoch mit anzusehen: Ganze Bäume wurden von den Windböen zerbrochen und entwurzelt, die Straßen glichen für eine Weile eher reißenden Strömen. Jan war noch bei der Arbeit und gegenüber vom Büro wurde ein komplettes Dach abgedeckt. Aber weder dem Bürogebäude noch unserem ‘Ferienhaus’ ist etwas passiert.

Im Garten ist unter der Last der Bäume ein Stromkabel zerrissen und hat ein kleines Feuer ausgelöst; die Flammen sind in dem starken Regen jedoch schnell erloschen. Den Vorgarten haben wir zu zweit wiederhergerichtet bekommen; nach hinten zu gehen, in den nassen Garten mit den heruntergerissenen Stromkabeln, schien mir aber zu gefährlich.

An diesem Abend schlafen zu gehen, hat mir auch ein mulmiges Gefühl gemacht; und Jesus soll bei meterhohen Wellen mitten auf einem See in einem kleinen Fischerboot seelenruhig geschlafen haben, während um ihn herum alles – die Jünger eingeschlossen – tobte?

Nachdem unsere Augen gerade zugefallen waren, sind wir wieder hochgeschreckt; mein erster Gedanke: Wir haben vergessen, das Licht auszuschalten, nachdem der Strom ausgefallen ist; jetzt ist er wohl wieder da. Nein, das Flackern und farbige Leuchten kam von draußen, wo das Stromkabel munter vor sich hin brutzelte.

Die Notrufzentralen waren schon tagsüber so überlastet, dass sie eine Warteschleife geschaltet hatten; nachts und in den folgenden Tagen waren noch immer 250.000 Haushalte ohne Strom und die Feuerwehr im Dauereinsatz. Auf unseren Anruf konnten sie leider auch nicht reagieren; aber der Kabelbrand hat zum Glück auch keinen Schaden angerichtet. Jan hat für einige Stunden tapfer eine Nachtwache geschoben und sich dann am frühen Morgen entschlossen, doch noch drei Stunden zu schlafen.

Mithilfe von Freunden haben wir an einem Tag alles wieder aufgeräumt und die heruntergerissenen Stromleitungen, Pool und Garten freigelegt. Ein ordentlicher Haufen Laub ist dabei entstanden – und schönes Brennholz (gute Eiche! – aber hier in Texas haben ja die wenigsten einen Kamin).

Wir sind mit einem Schrecken davon gekommen und ich bin froh, gesund und munter wieder bei unserer Gastfamilie zu sein. Mittlerweile hat der Stromanbieter die Kabel aber auch wieder in Ordnung gebracht.

Das war der erste Herbststurm – und noch nicht einmal ein Tornado. Mal sehen, was noch kommt. Der Oktober hat ja gerade erst begonnen.